Vladimir Nabokov

BA-Modul LW 1

2 SWS; Mi, 10.00 - 12.00, LS10 – R.325

ab 29.10.2008

Vladimir Nabokov (1899-1977) gilt als einer der talentiertesten russischen Modernisten. Trotz des Exils gelingt es ihm, überaus erfolgreich Karriere zu machen – dies primär nicht durch die Werke in russischer Sprache, sondern durch seine englischen Texte; dies zunächst auch nicht aufgrund der poetischen Qualität der Werke, sondern aufgrund des „Skandalromans“ Lolita.

Es zeigt sich indessen, dass Nabokov für sich bereits sehr früh ein dichtes ästhetisches System findet, das sich durch alle Werke zieht – seine Lyrik, seine Erzählungen und Romane und auch seine literaturwissenschaftlichen Arbeiten und autobiographische Werke. Leitgedanken darin sind Imagination und Erinnerung sowie die Beziehung zwischen der Sphäre der Kunst und den Welten des Diesseits und des Jenseits.

Im Proseminar wollen wir in detaillierten Textbetrachtungen dem poetologischen System Nabokovs nachgehen. Es gilt, durch close reading die Dichte der innertextuellen Motivverflechtungen nachzuzeichnen. Zentral darin stehen die Motive der Kreativität, der Erinnerung und des Todes sowie der (mindestens) doppelten Wesenheit der Helden als ego und alter ego; Synästhesie, Traum/Albtraum und eine Unzahl von Schmetterlingen als Mittler zwischen den Welten erlauben den Blick auf ästhetische und epistemologische Prinzipien. Narratologische Aspekte und gattungstheoretische Fragen ergänzen die Nachzeichnung der strukturellen Dichte der Texte.

Im Kern der Betrachtung werden frühe Erzählungen, der Roman Priglašenie na kazn‘ und die Autobiographie Speak, Memory stehen; ergänzend werden seine literaturwissenschaftlichen Arbeiten sowie seine Selbstdarstellung in „Interviews“ – ein eigenes Genre bei Nabokov – herangezogen.

 

Einführende Literatur:
Boyd, Brian, Vladimir Nabokov. The Russian Years. London 1990.

Ders., Vladimir Nabokov. The American Years. Princeton 1991.